Tag 20 – Das beste Buch, das du während der Schulzeit als Lektüre gelesen hast

Ich hatte das Glück in der Schule sehr viele gute Bücher lesen zu müssen dürfen. Besonders gern erinnere ich mich an Romulus der Große von Friedrich Dürrenmatt. Das Stück ist vielleicht nicht die beste Lektüre während meiner Schulzeit gewesen, aber es hat sehr viel Spaß gemacht es in verteilten Rollen in der Klasse zu lesen.

Die „ungeschichtliche historische Komödie“ spielt vom Morgen des 15. bis zum Morgen des 16. März 476 in der Villa des letzte Kaisers Westroms in Campanien. Romulus der Große lebt glücklich hühnerzüchtend auf seinem Landsitz und hofft auf den Einmarsch der Germanen und das Ende des Römischen Imperiums, während alle in seinem direkten Umfeld versuchen den Untergang mit allen Mitteln abzuwenden…

Dürrenmatt schrieb im Programmheft zur Uraufführung in Basel 1949: „Es ist vielleicht wichtig, dass man mich gleich versteht: Es geht mir nicht darum, einen witzigen Mann zu zeigen. Hamlets Wahnsinn ist das rote Tuch, hinter dem sich der Degen verbirgt, der Claudius gilt, Romulus gibt einem Weltreich den Todesstoss, das er mit seinem Witz hinhält. Auch lockte es mich, einmal einen Helden nicht an der Zeit, sondern eine Zeit an einem Helden zugrunde gehen zu lassen. Ich rechtfertige einen Landesverräter. Nicht einen von denen, die wir an die Wand stellen mussten, aber einen von denen, die es nie gibt. Kaiser rebellieren nicht, wenn ihr Land unrecht hat. Sie überlassen dies den Laien und nennen es Landesverrat, denn der Staat fordert immer Gehorsam. Aber Romulus rebelliert. Auch wenn die Germanen kommen. Dies sei gelegentlich zur Nachahmung empfohlen.“

Wir lasen „Romulus der Große“  in der achten oder neunten Klasse und unser Deutschlehrer war Herr Lieske. Er hatte eigentlich die richtige Einstellung zu seinem Beruf, denn er wusste viel und wollte jungen Menschen dieses Wissen vermitteln. Sein Problem lag in der Ausführung der Lehrtätigkeit, da er für eine Zusammenarbeit mit Schülern in unserem Alter nicht gerade geeignet war. Seine humorlose, empfindliche, unsicher autoritäre bis zickige Art, seine eigenwillige und verheult klingende Aussprache und sein verkniffener Gesichtsausdruck boten zu jeder Zeit eine Angriffs- und Projektionsfläche für unseren pubertären Rebellionsdrang. (Um diese Angriffsfläche noch zu vergrößern, besaß er eine eigenartige Lesebrille, die sich auch zwischen den Gläsern zusammenklappen ließ. Wenn er sie nicht gerade schief auf der Nase trug, „bearbeitete“ er einen ihrer Bügel zwischen seinen gespitzten, dünnen Lippen oder kratzte sich damit am Hinterkopf. Einige Male verlor er bei einer dieser unbewussten Brillenbenutzungen die Kontrolle über seine Hände, sein „Requisit“ entglitt ihm und fiel komplett zusammengeklappt zu Boden.)

In der Oberstufe hätten wir uns sicherlich besser verstanden. Wir haben mehrere gute Bücher in seinem Unterricht gelesen, aber ich nehme an, dass mir „Romulus der Große“ deswegen so gut in Erinnerung geblieben ist, weil gute Bücher eben keine Seltenheit waren, Deutschstunden in denen fast durchgehend (und  fast gar nicht über Herrn Lieske) gelacht wurde, leider schon.

Die komplette Bücherfrageliste

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