Die Ratten verlassen das sinkende Schiff

Mit diesem Sprichwort fasste meine  in Hessen lebende Großmutter die Rücktrittswelle von 2010 zusammen, als wir anlässlich von Roland Kochs Abgang telefonierten. Nun haben wir auch in Hamburg einen Rücktritt. Und wie bei den Vorhergehenden ist auch dieser weder mit Trauer, noch mit Zuversicht verbunden, denn meine Sicht und Erwartung sind mit dem Sprichwort „same shit, different asshole“ am besten zu beschreiben.

Ole von Beust ist nicht mehr Hamburgs Erster Bürgermeister. Als Grund für seinen frühzeitigen Abgang wurde in Nachrichten und Kommentaren vielfach seine „Amtsmüdigkeit“ erwähnt. Ja, da kann man schon mal müde werden, wenn man so viel für seine Stadt erreicht hat und trotzdem so viel kritisiert wird. Man weiß gar nicht für welche seiner Leistungen man ihm zuerst danken sollte: Für Ronald Schill, für das Kohlekraftwerk, für das Chaos bei der HSH-Nordbank, für die Elbphilharmonie oder für den katastrophalen Haushalt, den er der Hansestadt hinterlässt?

Und natürlich kann man ihm zu guter Letzt auch die Beteiligung am Scheitern der Schulreform nicht absprechen. Man kann eine sinnvolle  Reform nicht nur durch massive Gegenmaßnahmen der „standesdünkelnden“ Kritiker, sondern auch durch zu wenig Engagement und Aufklärung in der Bevölkerung verhindern. Aber vielleicht war er auch schon zu „amtsmüde“ um sich für die einzige wertvolle Sache einzusetzen, die während seiner Regierungszeit angestoßen wurde. Trotzdem hat er für sich und seine Regierungszeit bei der Rücktrittserklärung eine positive Bilanz gezogen, eine dermaßen unverschämte Lüge kann man auch nur mit 25-jähriger Politik-Erfahrung so gelassen und ungerührt vorbringen. Da kann man nur froh sein, dass Herr von Beust sich  jetzt selbst aussortiert hat, und nicht zur Politikerkaste der „Aussitzer“ gehört, die Hamburger hätten ihn (aufgrund seines angeblichen Charismas?) vielleicht sogar noch einmal wiedergewählt.

Mein Vorschlag für seine Zukunft ist, auch aufgrund dieser letzten oscar-reifen Leistung bei der Rücktrittserklärung, eine Karriere als Werbefigur: So wie der Melitta-Mann (aber vielleicht für Tchibo), der hat zumindest bei mir schon immer ein ähnliches Grauen ausgelöst wie Ole von Beust. Noch besser wäre aber, er würde sich ganz ins Privatleben zurückziehen und vielleicht mal seinen alten Intim-Feind Ronald in Südamerika besuchen. Der soll dort ja (be-)rauschende Parties feiern, auf denen eventuell auch Oles Müdigkeit mithilfe von Drogen zumindest kurzfristig behoben werden könnte.

In Hamburg sagt man zwar Tschüss, in diesem speziellen Fall sollte es jedoch heißen: Auf Nimmerwiedersehen!

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3 Kommentare

Eingeordnet unter Hamburg, Leben, Politik

3 Antworten zu “Die Ratten verlassen das sinkende Schiff

  1. Kann man als Steuerzahler eigentlich auch Amtsmüdigkeit geltend machen?

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