el mundo es una bola

Nach fast zweiwöchiger Blog-Abstinenz hier mein kleiner WM-Beitrag…

Ich bin nun wirklich keine Fachfrau was Fußball betrifft, aber schon lange eine begeisterte Zuschauerin, zumindest bei internationalen Turnieren. Meine „erste“ Fußball-WM war die 1986 in Mexiko. Ich war fast acht Jahre alt und hatte mich vorher kaum mit Fußball beschäftigt. Die Bundesliga kannte ich nur aus der Tagesschau, war aber schon in soweit gefestigt, dass ich St. Pauli mochte,weil sie den schönsten Namen hatten und Bayern München nicht mochte, weil mein Bruder ein Bayern-Handtuch und Bayern-Bettwäsche besaß. Diese sehr oberflächliche Heransgehensweise an den Fußball sollte sich mit dieser Weltmeisterschaft ändern.

Mein Bruder und ich klebten vor dem Fernseher,  sangen „Mexico mi amor“ (natürlich!), sammelten Sticker und waren uns nach kürzester Zeit einig (was damals sehr selten der Fall war), wer die Lichtgestalt der WM und des Fußballs weltweit war: Diego Armando Maradona. Ein kleiner Mann ließ die anderen Spieler wie Tipp-Kick-Figuren aussehen, seine kurzen Beine doppelt so schnell bewegend wie alle anderen Spieler. Maradona hatte nicht nur die Hand Gottes 😉 , sondern auch dessen Beine. Die atemberaubenden Spielzüge, das Tempo, die Willenskraft und nicht zuletzt die Sprünge über die Bande nach gelungenem Torschuß bezauberten mich, und haben meine Einstellung zu diesem Sport nachhaltig geprägt (ich liebe leidenschaftlich gespielten Fußball). Natürlich war die WM 1990 dann ein Gewissenskonflikt für mich. Maradona war mein Held, aber die deutsche Mannschaft spielte ein tolles Turnier. Aber um ehrlich zu sein fühlte ich  mich nach dem Finale so wie Beckenbauer wirkte, als er, fernab von allem Siegestaumel, allein durchs römische Stadion lief. Diese Ereignisse waren meine Schlüsselerlebnisse mit dem internationalen Fußball, alle folgenden Meisterschaften müssen sich mit meiner kindlichen Euphorie von damals messen. Kein Wunder, dass es mich nie mehr so richtig mitgerissen hat.

Aber: Jetzt ist der Bienenschwarm in Südafrika unterwegs. Mein Kindheits-Idol Maradona trainiert die Albiceleste. Und deren Star-Spieler Messi ist ähnlich talentiert wie Maradonna, allerdings hat er ein sehr ruhiges und zurückhaltendes Auftreten, anders als sein Trainer. Leider ist er manchmal auch weniger erfolgreich in der Ausführung. Doch wenn einer von Messis Angriffen gelingt, kann ich an niemand anderen denken, als an seinen jetzigen Trainer in seinen besten Zeiten. Besonders berührt hat mich die innige Umarmung zwischen Maradona und Messi nach dem Spiel. Maradona ist sicherlich nicht der beste Fußballtrainer, aber ich freue mich sehr ihn „in Arbeit“ und auf dem Fußballplatz zu sehen, wenn auch nur neben dem Spielfeld. Ich bin gespannt wie weit Argentinien kommt und drücke die Daumen.

Aber auch die deutsche Mannschaft hat sich in ihrem ersten Spiel sehr gut präsentiert. Vielleicht war ich 2006 nicht aufmerksam genug, aber ich finde das Spiel  des jetzigen deutschen Teams besser, beschwingter, leidenschaftlicher und für deutsche Verhältnisse fast schon raffiniert… Aber bei dem ganzen Fahnen-Terror und Fan-Wahnsinn 2006 fiel es mir schwer die Nationalmannschaft unvoreingenommen zu betrachten. Zumal ich noch nie nachvollziehen konnte, warum man die „eigene“ Mannschaft favorisiert, wenn andere viel besseren Fußball spielen. Ein ganz großer Pluspunkt ist in meinen Augen auch der Ausfall von Ballack. Außerdem wirkte die deutsche Mannschaft viel entspannter und abgeklärter als bei den letzten Turnieren. Und in den anschließenden Interviews wurde deutlich, dass auch alle Sprechen gelernt haben 😉 … aber: es war nur Australien, kein Grund für einen Autokorso (irgendwie unangebracht in dieser frühen Turnierphase). Schauen wir mal, wie eine bessere Mannschaft mit den deutschen Spielern umspringt. Aber wenn einer meiner persönlichen Favoriten, Argentinien, Südafrika und Nordkorea 😉 , Weltmeister wird, dann darf die deutsche Mannschaft meinetwegen auch so weit kommen wie sie will.

Für den weiteren Verlauf der WM wünsche ich mir, dass es möglichst viele afrikanische Mannschaften möglichst weit schaffen, mehr schöne Spiele von Argentinien, weniger unentschieden, dass alle Meckerer sich entspannen und die Vuvuzelas Vuvuzelas sein lassen (MÖÖÖööööööÖÖ) und dass die Bevölkerung von Südafrika von der momentanen Aufmerksamkeit auch (irgendwie) langfristig profitieren kann und nicht nur die FIFA.

Give me hope Joanna!

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Kunst, Leben, Quatsch, Sport

Eine Antwort zu “el mundo es una bola

  1. Dratze

    Ich mag deine Art zu schreiben . Hat mich richtig mitgerissen.lg dratze

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