Same procedure as last year? Same procedure as every year!

Mit leichter Verspätung möchte ich heute meine Eindrücke vom 1. Mai 2010 im Hamburger Schanzenviertel schildern. Das Wetter hängt dem Kalender schließlich auch mindestens zwei Wochen hinterher! Und ich musste mich erst durch die fast 300 Photos, die ich gemacht hatte, durcharbeiten und die wenigen gelungenen Aufnahmen auswählen.

Gegen 22:30 Uhr ging das Schauspiel vor meinem Fenster los: Polizisten in Storm-Trooper-Montur rannten das Schulterblatt in Richtung Neuer Pferdemarkt hinunter um die in Gegenrichtung gehenden „Demonstranten“ zu verscheuchen.

Dieses Geschehen wiederholte sich in den nächsten fünf Stunden ungefähr 7-8 mal. Jedes Mal sperrte die Polizei die Ecke Schulterblatt/Schanzenstraße/Neuer Pferdemarkt mit einem Wasserwerfer und Fußtrupps und verlangte in Megaphon-Durchsagen die Räumung des Schulterblatts. Und jedes Mal war ungefähr 10 Minuten später das ganze Schulterblatt wieder gefüllt mit Menschen, teils auch einfach nur mit „normalem“ Schanzenpublikum.

Übrigens waren es ausschließlich weibliche Polizisten, die mit der Steuerung der Wasserrohre betraut waren. Das konnte nicht verhindern, dass es immer wieder zu „friendly water“ kam.

Das Schulterblatt wurde beleuchtet,

begossen und betanzt.

Manche der Teilnehmer waren fast so gut (oder besser) vorbereitet als die Polizei.

Zum ersten Mal in meinem Leben, und auch nur einen ganz kurzen Augenblick, habe ich darüber nachgedacht, ob Polizistin nicht doch ein schöner Beruf sein könnte, denn Wasserwerfer sehen im Innern ein bisschen so aus wie K.I.T.T..

Eigentlich wollte ich gar keine Stellung zu den ganzen Ereignissen nehmen, da mir in diesem Jahr nicht nur die -wie immer- einseitige Berichterstattung der Massenmedien auf die Nerven ging, sondern auch die ebenso einseitigen Sichtweisen, die in „Offenen Briefen“ von Anwohnern des Viertels oder auf indymedia.org zu lesen waren. Deswegen ist hier auch kein Link zu diesen Texten zu finden!

Aber, da das mein Blog ist, werde ich meine eigene Sicht der Dinge kurz schildern. Die meisten der Randalierer  hatten, meiner Meinung nach, mit Politik ungefähr soviel zu tun wie die Narrengarde an Fasching mit dem Militär. Irgendwann gab es mal eine Verbindung, aber die ganze Veranstaltung hat sich mittlerweile verselbständigt.

Ich finde es traurig, dass Einige sich das Ganze schön reden wollen und den Agierenden eine politische Motivation unterstellen. Ich jedenfalls möchte nicht mit Menschen in einen Topf geworfen werden, die Banken anzünden, ohne darüber nachzudenken, dass zwei Stockwerke darüber Menschen wohnen, oder kleinen Geschäften und Kinos  die Scheiben einschmeissen, die es nun wirklich nicht verdient haben. Wenn die Wut über die herrschenden Zustände, der Wunsch nach Veränderung oder das Bedürfnis zur Systemkritik so groß ist, dann sollen die Randalierer bitte  jede Woche eine Demonstration gegen Gentrifizierung etc. organisieren. Mit dem Verbrennen von Fahrrad-Barrikaden und dem Umschmeißen von Kleinwagen, macht man sicherlich auf sich aufmerksam, man vergibt aber gleichzeitig die Chance die Menschen zu erreichen, die im Kern ähnliche Ansichten haben.

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Hamburg, Leben

2 Antworten zu “Same procedure as last year? Same procedure as every year!

  1. Consti

    Zumal die Flora dicht war und fast keiner der „Locals“ am Start (wahrscheinlich weil es in Berlin mit dem Verhindern einer Nazi-Demo Wichtigeres zu tun gab).
    Es waren also wirklich nur Spacken, die mal autonom spielen wollten. Sogar in Eimsbüttel sind sie rum, haben die Scheibenwischer von Familienkutschen verbogen und Motorräder umgeschmissen. Die haben keine Ahnung von politischen Hintergründen!

    Das Fatale: damit spielen sie Ahlhaus und seinen Truppen wunderbar in die Karten. Die Polizei steht nämlich immer genüsslich rauchend 100 Meter weiter, guckt erstmal zu, wie die Haspa entglast wird, lässt eine halbe Stunde lang die Presse die entsprechenden Bilder machen und kommt dann als „Retter in der Not“.

  2. Sowohl dem Artikel – naja, bis auf den K.I.T.T – Teil 🙂 – als auch Constis Kommentar kann ich nur zu 100% zustimmen und bin froh, dass einige den den Durchblick bewahrt haben.

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